Zitat
Rainer Maria Rilke aus dem Gedicht „Über die Geduld“

Wenn man die Fragen lebt, lebt man vielleicht allmählich, ohne es zu merken, eines fremden Tages in die Antworten hinein.

Warum auf die Suche nach dem Sinn im Leben machen?

Dem Sinn deines Lebens zu folgen gibt dir nicht nur Orientierung, er schenkt dir auch Gesundheit und Lebensfreude.

Was ist der Sinn deines Lebens?
Was würde der Welt fehlen, wenn du nicht mehr da wärst?
Bist du dir deine Einzigartigkeit bewusst? Und wenn ja, lebst du sie auch?

Einige Jahre unseres Lebens mögen wir uns mit Äußerlichkeiten zufrieden geben. Wir sind scheinbar zufrieden, weil wir Karriere machen, ein schnelles Auto fahren und zweimal im Jahr in den Urlaub fahren können. Doch irgendwann reichen uns diese Äußerlichkeiten nicht mehr. Sie stellen uns nicht mehr zufrieden. Häufig ausgelöst durch eine Krise, wird unser bisheriges Leben auf den Kopf gestellt, wir verlieren den Job für den wir uns so sehr aufgerieben haben, unser Partner verlässt uns, obwohl wir doch alles nur für ihn getan haben, unser Körper spielt nicht mehr mit, wie wir es bisher von ihm gewöhnt waren. Und auf einmal fragen wir uns nicht nur „warum muss das mir passieren?“, wir fragen uns auch, „worin liegt der Sinn in meinem Leben?“. Wer sich die Sinn-Frage das erste Mal bewusst stellt, wird feststellen, die Antwort darauf wird nicht an einem Tag geboren.

„Wenn man die Fragen lebt, lebt man vielleicht allmählich, ohne es zu merken, eines fremden Tages in die Antworten hinein.“ Aus dem Gedicht „Über die Geduld“ von Rainer Maria Rilke

Die Suche nach dem Sinn des Leben, ein Luxusproblem unserer Zeit? Unsere Großeltern und Eltern hatten keine Zeit sich solche Fragen zu stellen. Sie kämpfen um ihr Überleben, sie bauten nach dem Krieg das Land wieder auf und danach Stück für Stück etwas Eigenes. Die meisten fühlten sich zu einer Glaubensgemeinschaft zugehörig und verbunden mit ihren Nächsten durch das gemeinsame Leid und die gemeinsamen Herausforderungen.

„Wer weiß wofür er etwas tut, fragt nicht nach dem warum.“ (unbekannt)

Doch heute fragt jeder nach dem „Warum“. Ist das die Kehrseite unserer Zeit? Wir leben in einer Welt des Überflusses und der unbegrenzten Möglichkeiten, alles ist jederzeit verfügbar (auch Toilettenpapier wieder) und wir können alles tun. Wie können wir in diesem Wirrwarr an Möglichkeiten unseren Weg finden? Im Artikel „Dein Nordstern“ findest du eine Methode zur Erforschung des Sinns in deinem Leben, auch findest du etwas weiter unten in diesem Artikel einige Fragen, die deine Suche unterstützen können. In diesem Artikel erfährst du, warum es sich überhaupt lohnt sich mit der Sinnfrage intensiv zu beschäftigen und welche Hürden dir auf dem Weg begegnen können.

Kennst du die Geschichte vom Versteck des Glücks? Ich finde sie lässt sich wunderbar auf die Sinn-Suche übertragen, denn wer seinen Glück gefunden hat, lebt sehr wahrscheinlich seinen Lebenssinn und wer den Sinn in seinem Leben gefunden hat, ist glücklich.
„Eines Tages versammelten sich die Götter um zu beratschlagen, wo dieses Wissen und der Schlüssel zum Glück verborgen werden sollte. Einer der Götter sagte: ,, Lasst uns den Schlüssel zum Glück an der tiefsten Stelle des Ozeans verstecken. “ Doch einer der Götter sagte: ,,das ist kein guter Platz, denn eines Tages werden die Menschen auch die tiefste Stelle des Ozeans erforschen und den Schlüssel zum Glück dann dort finden.“ Ein anderer sagte nun: ,,lasst uns den Schlüssel zum Glück, auf dem höchsten Berg verstecken.“ Wieder sagte ein anderer der Götter: ,,das ist kein guter Ort, denn eines Tages werden die Menschen auch den höchsten Gipfel erklimmen und den Schlüssel zum Glück dann dort finden.“ Ein anderer sagte nun: ,,lasst uns den Schlüssel zum Glück hoch in den Wolken verstecken“ Wieder sagte einer der Götter: ,,Das ist kein guter Platz, denn eines Tages werden die Menschen auch die Lüfte erforschen und den Schlüssel vom Glück dann dort finden.“ Stille kehrte unter den Göttern ein, bis der älteste und weiseste unter den Göttern sagte: ,,Lasst uns den Schlüssel vom Glück, tief in den Menschen verstecken, denn die Menschen werden nie auf die Idee kommen, in sich selbst nach dem Schlüssel zum Glück zu suchen.“ Alle stimmten zu und es wurde für gut empfunden, so geschah es das der Schlüssel zum Glück, tief in den Menschen verborgen wurde und sich noch bis heute dort befindet.“

Jetzt wo wir wissen, dass der Schlüssel zum Glück als auch zum Lebenssinn in uns liegt, gilt es diesen zu bergen. Wenn wir bloß nicht so sehr damit beschäftigt wären den Lebensträumen anderer zu folgen. Anstatt uns von der Außenwelt zu distanzieren, still zu werden und nach innen zu schauen, nehmen wir wieder das Handy in die Hand und lassen uns von Facebook, Instagram und Co ablenken. In den sozialen Medien werden uns kleine Ausschnitte einer sehr „frisierten“ Lebenswirklich gezeigt, die Antwort auf die Frage nach dem Sinn in deinem Leben wirst du dort jedoch nicht finden.

Die Geschichte über „Die große Wegkreuzung“, hier in einer gekürzten Form (die ganze Geschichte findest du im Buch „Die Farben der Wirklichkeit“ von Roland Kübler), beschreibt eindrucksvoll die Reise die wir unternehmen dürfen, um den Sinn in unserem Leben zu finden.
„Hoch oben in den Bergen wuchs ein Kind auf. Eines Tages packte die mittlerweile junge Frau ihr kleines Bündel und sagte zu Vater und Mutter, dass sie gehen wolle, um das Meer zu sehen. Denn während ihrer ganzen Jugend hatte sie sich nichts sehnlicher gewünscht, als einmal im Leben ihren Körper in das schäumende Meerwasser zu legen und auf den Lippen den salzig frischen Atem des Meeres spüren zu können. Die junge Frau ging den vertrauten Weg hinab ins Tal. Sie ging weiter, als sie je gegangen war, weil sie ein Ziel hatte. Oft wurde sie eingeladen, doch ein wenig auszuruhen, und manchmal wurde ihr auch abgeraten, weiter zu gehen. Der Weg zum Meer sei zu weit und beschwerlich, wurde ihr gesagt. Aber sie ließ sich nicht beirren und ging weiter den Weg, den sie für sich gewählt hatte, der sie zum Meer führen sollte. Eines Tages kam sie an eine große Wegkreuzung. Der Weg gabelte sich vor einem großen Gebirge in vier Pfade, von denen zwei links und zwei rechts um die Berge herumzuführen schienen. Die junge Frau wusste nicht weiter und setzte sich mitten auf die Wegkreuzung, um zu rasten. So saß sie lange Zeit auf der Erde und konnte sich für keinen der vier Wege entscheiden. Jeder schien ihr ungewiss. Immer wieder kamen auch andere Menschen an ihrer Wegkreuzung vorbei, die sie einluden, mit ihnen zu kommen. Eine Gruppe von Reisenden schlug ihr vor, sie in eine große Stadt zu begleiten, die nur wenige Stunden von der Kreuzung entfernt sei. Doch die Frau lehnte dankend ab, denn sie wollte nicht in eine Stadt, sondern ans Meer. Ein einsamer Wanderer leistete ihr lange Zeit Gesellschaft an ihrer Wegkreuzung, teilte mit ihr sein Brot und seinen Wein und erzählte ihr aus seinem Leben. Auch er bat sie schließlich, mit ihm zu kommen. Er war auf dem Weg in einen nahe gelegenen Wald, um dort zu jagen. Die Frau dankte auch ihm für sein Angebot, sagte aber, dass sie ans Meer und nicht in einen Wald wolle. Die Wochen vergingen, und mit ihnen wechselten die Jahreszeiten. Als die Frau schon sehr lange an der Kreuzung gesessen hatte, schwand ihre Zuversicht ein bisschen, und sie fühlte sich einsam. So nahm sie das Angebot vorbeiziehender Bauern an, diese in ihr Dorf zu begleiten und dort bei der Ernte zu helfen. Es gefiel ihr gut bei den Bauern, und sie blieb den ganzen Winter über. Als aber der Frühling kam, erwachte ihre Sehnsucht nach dem Meer erneut; sie packte ihr Bündel und ging zurück zu ihrer Wegkreuzung. Wieder saß sie dort sehr lange, bis schließlich eine vorbeikommende Frau sie fragte, ob sie ihr vielleicht helfen wolle, im nächsten Dorf ihre Waren zu verkaufen und Hemden zu schneidern. Für eine Zeit machte ihr auch dies große Freude, und sie blieb eine ganze Weile mit der Frau in dem kleinen Dorf. Doch schließlich wurde die Sehnsucht nach dem Meer wieder übermächtig, so dass sie sich von der Frau verabschiedete und an ihre Wegkreuzung zurückkehrte. Lange, lange saß sie wieder dort und fragte sich, welcher Weg sie an ihr Ziel bringen würde. Manchmal glaubte sie, in stillen, schlaflosen, mondhellen Nächten ein leises, fernes Rauschen zu hören, als ob das Meer sie rufen würde. Es war eine solche Nacht, als sie sich entschloss, einfach die Berge hinaufzusteigen. Die Wanderung war sehr beschwerlich. Höher und höher stieg sie bei ihrer einsamen Wanderung. Manchmal glaubte sie auch, ihre Kraft würde nicht ausreichen. Und dann endlich stand die Frau ganz oben. Der Ausblick überwältigte sie. Tief unten entdeckte sie, ganz klein jetzt, die Wegkreuzung, auf der sie so lange gesessen hatte. Sie sah die vier Pfade, die sich dort unten verzweigten. Der eine führte in eine große Stadt und darüber hinaus. Der andere schlängelte sich durch einen dichten Wald zu einem kleinen Häuschen, aber auch er endete dort nicht. Der dritte wand sich durch das Tal bis zu den Bauern, denen sie bei der Ernte geholfen hatte, kletterte dann über einige Hügel und führte weiter in eine fruchtbare Ebene. Und der vierte traf auf das kleine Dorf, in dem sie Hemden geschneidert hatte, und zog dann weiter. Die Frau stand auf dem Gipfel des Berges und zitterte. Die vier Wege trennten sich vor dem Gebirge, umringten es und näherten sich einander in einer weiten Ebene, vereinigten sich und setzten ihre Reise fort bis zum Meer. Je länger sie schaute, um so deutlicher glaubte sie das schäumende Wasser zu sehen. Aber die Frau war inzwischen alt geworden, ihr Haar dünn und grau und ihr Rücken gebeugt. Sie hatte nicht mehr die Kraft, zurückzugehen an jene große Wegkreuzung, wo sie so lange gesessen hatte. Zurück, um irgendeinen Weg zu wählen, der sie ans Meer bringen würde. Sie hatte keinen der Wege gewählt, war keinen bis zum Ende gegangen. Erst hier, hoch oben auf den Felsen, erkannte sie, dass jeder dieser Wege ans Meer geführt hätte. Und plötzlich wusste sie: Niemals in ihrem Leben würde der salzig frische Atem grenzenloser Weite ihre Lippen netzen. Und niemals in ihrem Leben würde sie das wildschäumende Wasser des Meeres auf ihrem Körper spüren.“

Was ist dein „Meer“? Hast du dich bereits auf den Weg gemacht oder sitzt du noch an der Wegkreuzung und wartest auf jemanden, der dir den Weg zeigt? Falls ja, weißt du nun diese eine Person bist du selbst. Mach dich auf den Weg!

„Ein gesunder Mensch hat 1000 Wünsche, doch ein Kranker hat nur einen.“ (unbekannt)

Warum sollten wir uns überhaupt auf die Suche nach dem Sinn in unserem Leben machen? Aaron Antonovsky (1923-1994, Begründer der Salutogenese) wusste, ein Gefühl von Bedeutsamkeit oder Sinnhaftigkeit ist einer von drei Einflussfaktoren auf die Frage „Was hält den Menschen gesund?“ (vgl. mein Artikel „Die Kraft der Selbstheilung“). Daher ist der Wunsch den Sinn des eigenen Lebens zu kennen und glücklich zu sein, kein Luxus-Problem, sondern eine entscheidende Komponente für seelische, emotionale und körperliche Gesundheit.

„Das Vergleichen ist das Ende des Glücks und der Anfang der Unzufriedenheit." Søren Kierkegaard

In „The four Agreements“ von Miguel Ruiz heißt es „Always Do Your Best“. Er meint damit nicht, das wir jeden Tag ein Stückchen besser werden sollen und uns mit anderen vergleichen sollen. Gemeint ist, dass wir je nach persönlicher Tagesverfassung unser Bestes geben sollen und dies mag von Tag zu Tag variieren. Wenn wir am Ende eines Tages sagen können, für heute, nur heute, habe ich mein Bestes gegeben, dann war es ein guter Tag. Wohlmöglich kommen wir auf diese Weise unserer Sinn-Erfüllung näher, als wenn wir glauben wir müssten dafür etwas Spektakuläres tun oder sein.

Diese Fragen dienen deiner persönlichen Reflexion und können dich dem Sinn deines Lebens etwas näher bringen:

  • Worüber könnte ich den ganzen Tag nachdenken & reden?
  • Was habe ich im Alter von 6 Jahren getan und dabei Raum und Zeit vergessen?
  • Wobei vergesse ich heute Raum und Zeit? Bei was komme in den Flow (bin konzentriert ohne mich überfordert oder unterfordert zu fühlen)?
  • Angenommen ich müsste jeden Tag das Haus verlassen (außer zum Schlafen) und für mein Lebensunterhalt wäre gesorgt, was würde ich mit meiner Zeit anfangen?
  • Was würde ich tun?
  • Wo würde ich hingehen?
  • Wenn ich nur noch ein Jahr zu leben hätte (begrenzte Ressourcen machen kreativ), was wäre mir dann wichtig? Was würde ich konkret tun bzw. was würde ich nicht mehr tun?
  • Was ist mir so wichtig, dass ich Durststrecken, Misserfolge und lästige Begleitumstände in Kauf nehme?
  • Wie könnte ich mit dem was ich zu tun liebe, die Welt ein Stück verbessern?
  • Wofür habe ich schon mal gekämpft oder wofür würde ich heute noch kämpfen? Und welche Werte habe ich bzw. verteidige ich damit?
  • Was sind meine Blockaden, Ausreden oder störenden Gedanken und Gefühle, um nicht zu tun, was ich tun will?

„… Alle Wege führen nach Rom …“ (Redewendung)

Was ist anders, wenn du den Sinn in deinem Leben gefunden hast? Es stellt sich eine innere Ruhe und Zufriedenheit ein. Wenn es äußerlich mal stürmt, pendelst du dich schneller wieder in deiner Mitte ein. Infolgedessen erhöht sich deine Widerstandsfähigkeit und du gewinnst an Selbstvertrauen. Auch wenn du dein Ziel noch nicht erreicht hast, oder vielleicht sogar Kilometerweit davon entfernt bist, du erkennst, dass der Weg das Ziel ist und erfreust dich einfach am vorwärts gehen. Du wirst klarer in deiner Kommunikation und gehst keine faulen Kompromisse mehr ein. Zu Beginn mag es deine Mitmenschen irritieren, doch der Gewinn sind weniger Missverständnisse und mehr Authentizität und Leichtigkeit in all deinen Beziehungen.

Du hast eine leise Ahnung was der Sinn in deinem Leben, dein Nordstern und dein „Warum“ sein könnte, aber etwas lässt dich noch zweifeln, dann komme zu mir ins Coaching und lasse dich von mir ein Stück des Weges begleiten. Ich freue mich von dir unter info@elkendorf-coaching.de zu lesen oder unter 0151/46525418 zu hören.

Vera Elkendorf

Dein Coach für mehr Lebensfreude

Veröffentlicht: 30. August 2020