Freie Wahl
Marshall B. Rosenberg

Du kannst Dich jederzeit entscheiden, wie Du die Worte Deines Gegenübers aufnimmst, die Macht liegt bei Dir. 

Raus mit der Sprache - Reflexion

Durch authentische Kommunikation zu einem glücklichen Miteinander und mehr Lebensfreude

 

„Gelungene Kommunikation ist Glücksache“, sagte P. Watzlawick. Und es ist sicherlich nicht übertrieben zu behaupten, dass das Glück die meisten Menschen im Alltag an dieser Stelle häufig verlässt. Doch vielleicht sind uns auch unsere vielfältigen Einflussmöglichkeiten dem Glück hier etwas auf die Sprünge zu helfen, einfach nicht bewusst.

 

Wie groß unser Einfluss auf den Erfolg unserer Kommunikation ist, wurde mir in meinen vielen Seminaren und Weiterbildungen rund um dieses Thema bewusst. Mehr noch, mir wurde klar, dass sich all unsere Beziehungen verbessern - letztlich auch die zu uns selbst - wenn wir uns der kommunikativen Stellhebel bewusst sind und diese aktiv nutzen. Dies haben mir auch viele meiner Klienten durch ihre Erfahrungen und ihren neuen Umgang mit sich und ihren Mitmenschen bestätigt. So wage ich zu behaupten, dass alle unsere zwischenmenschlichen Probleme durch eine bewusstere und wohlwollendere Kommunikation gelöst werden könnten, vielleicht sogar die mit uns selbst. 

 

„Wer als Werkzeug nur einen Hammer hat, sieht in jedem Problem einen Nagel.“ Paul Watzlawick

 

Wenn die Lösung scheinbar so nahe liegt, warum scheint der Zugang zu einer gelungeneren Kommunikation jedoch so oft versperrt. Nach meiner Erfahrung hat dies mindestens drei Gründe:

  1. 1. Wir haben unser Kommunikationsverhalten bisher nicht hinreichend reflektiert.
  2. 2. Wir verfügen nicht über das für uns richtige kommunikative Handwerkszeug.
  3. 3. Wir üben neue erlernte Kommunikationsmodelle nicht ausreichend und fallen schnell wieder in unser altes Kommunikationsmuster.

 

Aus meiner Sicht, ist der erste Grund auch der Schwerwiegendste. Denn ohne eine intensive Reflexion unserer bisherigen und vor allem in stressigen Situationen wirkenden Kommunikationsmustern, misslingt - trotz all der guten Absicht - unsere Kommunikation immer wieder. Solange wir den Fehler noch beim anderen suchen, haben wir nach meiner Erfahrung, unseren Job der Selbstreflexion noch nicht hinreichend vollzogen. Schlimmer noch, wir berauben uns selbst der einzigen Chance etwas zu verändern. Solange wir das Verhalten oder den Kommunikationsstil des anderen verändern wollen, werden wir uns machtlos fühlen, denn wir befinden uns außerhalb unseres Einflussbereichs. Die Lösung liegt immer ganz nah, nämlich in uns.

 

"Gehe drei Mal durch dein eigenes Haus, bevor du vor der Tür eines anderen kehrst.“ (unbekannt)

 

So ist aus meiner Sicht ehrliche Reflexion des eigenen Kommunikationsverhaltens der erste Schritt auf dem Weg zu gelungener und authentischer Kommunikation. Danach folgt das Erlernen und Üben von neuen dienlicheren Kommunikationsmethoden. Drei Methoden, die sich wunderbar ergänzen und meinen Weg gezeichnet haben, stelle ich Ihnen in den nächsten Wochen vor. Heute möchte ich Sie dazu einladen, Ihr eigenes Kommunikationsverhalten genauer unter die Lupe zu nehmen.

 

Wenn Sie mögen, machen Sie sich erst mal einen Überblick über die nachfolgenden Fragen und Impulse und schenken Sie sich danach ganz bewusst Zeit, um diese für sich selbst in Ruhe schriftlich zu beantworten.

 

  1. 1. Schritt der Selbstreflexion: „Wie kommuniziere ich bisher mit meinen Mitmenschen?"

 

  1. Wann gelingt mir Kommunikation?
  2. Wann gelingt sie mir nicht?
  3. Warum gelingt sie mir manchmal und manchmal nicht? Was sind die Faktoren die einen Unterschied machen? Was brauche ich ganz persönlich, damit es mir gut gelingt?
  4. Wenn mir etwas nicht gefällt, spreche ich es an oder lasse ich es einfach über mich ergehen?
  5. Bin ich Konfliktscheu oder traue ich mich zu sagen, was mir auf dem Herzen liegt?
  6. Wenn ich es ausdrücke, bricht es aus mir heraus oder habe ich vorher mit Freunden oder im Zwiegespräch reflektiert, was in mir los ist?
  7. Wie wurde bei uns zu Hause mit Konflikten umgegangen?
  8. Habe ich dieses Muster übernommen oder mache ich es anders?
  9. Gibt es ein Vorbild in Sachen gelungener Kommunikation? Wenn ja, wer ist es und was konkret tut sie oder er, dass mich fasziniert und das ich auch gerne hätte/ könnte?
  10. Was motiviert mich am meisten meine Kommunikation zu verbessern?

 

  1. 2. Schritt der Selbstreflexion: „Wie kommuniziere ich bisher mit mir selbst?“

 

Wenn wir nicht gerade laut mit unseren Mitmenschen sprechen, denkt und spricht Es unaufhörlich in uns selbst. Besonders interessant sind die Bemerkungen, die wir in Momenten zu uns sagen, wenn wir uns gerade nicht so gut fühlen.

 

  1. Was sage ich zu mir selbst, wenn ich mir gedankenverloren den Fuß anstoße?
  2. Oder einen wichtigen Termin vergessen habe?
  3. Oder wenn ich mir etwas vorgenommen habe, wie z. B. gesünder essen, mehr bewegen, weniger trinken und schon nach kurzer Zeit wieder in das bisherige Verhaltensmuster rutsche?
  4. Ist es eine weibliche oder männliche Stimme, die da in mir spricht?
  5. Woher kennen Sie diese Stimme?
  6. Erinnert mich ihr Tonfall an jemanden aus meiner Familie, kenne ich diese oder eine ähnliche Bemerkung vielleicht von einem Elternteil?

 

Egal welche Worte Sie bisher in solchen Momenten verwenden, wahrscheinlich sind diese wenig wertschätzend und einfühlsam. Doch warum eigentlich nicht? Woher kommt es, dass wir in solch einem Tonfall mit uns selbst sprechen? Häufig in einer Weise, die wir uns von unseren Mitmenschen nicht gefallen lassen würden. Doch bei uns selbst sind wir da scheinbar weniger bedacht, interessant oder? 

 

  1. 3. Schritt der Selbstreflexion: „Wie nimmt meine Umwelt meinen Kommunikationsstil war?“

 

Für diesen Punkt ist es hilfreich Menschen aus Ihrem privaten wie beruflichen Umfeld um Feedback zu bitten. Befragen Sie mindestens drei Personen, damit Sie ein umfassendes Bild von sich selbst bekommen. Achten Sie darauf, dass Sie die Personen einladen wirklich ehrlich zu sein. Oft hilft es jemanden zu befragen, der Ihnen auch in anderen Situationen schon mal eine kritische Rückmeldung gegeben hat. Damit Ihr Gegenüber sich seiner für Sie wichtigen Rolle bewusst ist, erzählen Sie ihm von Ihrer persönlichen Motivation an Ihrem Kommunikationsverhalten etwas zu verändern (siehe 1. Schritt Punkt J.). Je klarer Sie Ihren „Auftrag“ an ihn formulieren, umso aussagekräftiger werden die Antworten sein, die Sie erhalten. Möglicherweise braucht Ihr Gegenüber Zeit und möchte über Ihre Fragen erstmal in Ruhe nachdenken. Vereinbaren Sie ggf. zu einem späteren Zeitpunkt einen Termin und geben Sie ihm Ihren „Fragenkatalog“ zur Vorbereitung mit. Ein ehrliches Feedback gehört zu den größten Geschenken, die wir erhalten können. In ihm steckt die Chance verborgen, sich wirklich weiterzuentwickeln. Machen Sie sich daher so gut es geht frei vom Druck sich rechtfertigen zu wollen und begeben Sie sich in eine neugierige und offene Haltung, während Ihr Gegenüber Ihnen von seiner Sicht der Wahrnehmung erzählt. Hören Sie schweigend zu und bedanken Sie sich anschließend für seine Offenheit und Mut. Lassen Sie die gesprochenen Worte auf sich wirken und fragen Sie ggf. nach einigen Tagen noch mal nach, wenn etwas unklar geblieben ist. Folgende Fragen können Sie nutzen, um ein ehrliches Feedback zu Ihrer Wirkung zu erhalten.

 

  1. Wie wirkt mein Kommunikationsverhalten in „entspannten“ Situationen auf dich? Bitte nenne mir ein bis zwei konkrete Situationen, in denen du mich beobachtet hast und beschreibe meine Wirkung auf dich.
  2. Wie wirkt mein Kommunikationsverhalten in „angespannten“ Situationen auf dich? Bitte nenne mir ein bis zwei konkrete Situationen, in denen du mich beobachtet hast und beschreibe meine Wirkung auf dich.
  3. Welchen Rat hast du für mich, damit meine Kommunikation anderen gegenüber gelungener und authentischer wird?
  4. Welchen Wunsch hast du an mich für unsere Kommunikation, damit unsere Kommunikation gelungener wird?

 

Bitte sehen Sie obigen Fragen und Impulse als Anregung sich Ihres eigenen Kommunikationsverhalten bewusster zu werden. Schenken Sie sich dafür ausreichend Zeit und nehme Sie diesen Schritt ernst, er ist die Grundlage. Es ist wie das Pflügen des Ackers, bevor die neue Saat ausgestreut wird. Auf einem unvorbereiteten Boden, wird das beste Samenkorn nicht das gewünschte Ergebnis erzielen. Zu viel Altes und Unkraut wird den Wachstumsprozess verhindern und der neuen Saat die Energie nehmen, die sie braucht, um ihr gesamtes Potenzial zu entfalten. 

 

Ich wünsche Ihnen viel Freude beim Entdecken Ihres eigenen Kommunikationsverhaltens. Sie werden überrascht sein, wie viel Potenzial in dieser Übung steckt. Im zweiten Teil des Artikels „Raus mit der Sprache“, stelle ich Ihnen drei Methoden vor, die Sie unterstützen Ihre Erkenntnisse mit Leben zu füllen.

 

Rufen Sie mich dazu gerne an und vereinbaren Sie einen Termin für ein erstes kostenloses Telefon-Coaching. Oder nehmen Sie direkt am gleichnamigen Seminar teil. Ich freue mich, Sie kennenzulernen und Sie auf Ihrem persönlichen Weg zu mehr Lebensfreude, Leichtigkeit und Entspannung zu begleiten.

 

Mit herzlichen Grüßen

 

Vera Elkendorf

Ihr Coach für mehr Lebensfreude

 

Veröffentlicht am 09.06.2018