Liebe

Liebe ist die Antwort.
Selbstliebe ist der Weg.

Liebevoll mit sich selbst

Wie du den Umgang mit dir selbst liebevoller gestaltest und damit zu mehr Lebensfreude gelangst.

Wie gehst du an schlechten Tagen mit dir um?

Ich meine jene Tage, an denen du schon vor dem Aufstehen intuitiv spürst, heute wäre es besser im Bett liegen zu bleiben.
Was sagst du innerlich zu dir selbst, wenn dir etwas runterfällt, du die Milch verschüttest oder du einen scheinbaren Fehler begehst?
Wie sprichst du mit dir selbst, wenn du mal wieder zu spät losgefahren bist, obwohl du dir schon so oft vorgenommen hast, das passiert dir nicht wieder?
Wie schaust du auf dich selbst, wenn du in einem Gespräch deinem Gegenüber wiederholt ins Wort fällst, weil du es besser weißt?

Falls deine Reaktion bisher auf dich selbst, wenig wertschätzend, vielleicht sogar abwertend und ärgerlich war, dann geht es dir wie vielen Menschen, mich leider eingeschlossen.

Bis vor ein paar Wochen dachte ich, ich sei da schon viel weiter. Damit meine ich konkret, liebevoll, wertschätzend und achtsam im Umgang mit mir selbst. Doch dann traf mich das Feedback einer Person hart. Und anstatt dies als Einladung für einen sehr behutsamen, liebevollen und mir selbst zugewandten Blick zu verstehen, wurde in mir der innere Kritiker wach. Zugleich meldete sich eine ängstlichste Seite, fast überfordert, weil sie damit nicht umzugehen wusste. Auch die Stimme, die die andere Person im Gegenzug abwertete, half nicht mich wieder in Balance zu bringen. Da saß ich nun und fühlte mich elend. Zu allem Überfluss war es gar keine wirklich negative Rückmeldung, doch etwas an das Feedback bei mir ankam, erinnerte mich daran von der anderen Personen nicht wirklich mit meinen Kompetenzen gesehen zu sein. Mir wurde klar, dass ich dies schon einige Male erlebt habe.

In diesem Artikel möchte ich dich nun daran teilhaben lassen, was mich in den letzten Wochen unterstützt hat und wie ich wieder in die Balance kam.

Dafür ein kleiner Ausflug in ein theoretische Konzept, welches dir vielleicht schon mal unter anderem Name begegnet ist. Da es mir in der hypnosystemischen Darstellung von Gunther Schmidt am eingängigsten ist, möchte ich an dieser Stelle nur auf dieses Konzept eingehen. Gunther Schmidt nennt es das „Seiten-Modell“ oder auch „Innere parlamentarische Demokratie“. Im wesentlichen geht es darum, dass wir mehrere „Seiten“ in uns haben, die sich mit unterschiedlichen Stimmen immer wieder in uns zu Wort melden. Manche plappern einfach rein, andere halten sich lange zurück, bis es schlussendlich aus ihnen herausbricht. Wieder anderen „Seiten“ muss man lange liebevoll zureden, bis sie sich äußern. Jede dieser „Seiten“ vertritt ein anderes Bedürfnis und hat über die Jahre Strategien entwickelt sich dieses Bedürfnis zu erfüllen. Manche dieser Strategien sind sinnvoll und hilfreich, andere waren es mal, doch passen nicht mehr zum heutigen Kontext oder unserer Entwicklung. Dies alleine zu verstehen, eröffnet vielen Menschen einen ganz neuen Blick auf sich selbst. Doch noch ein weiterer Aspekt ist für einen liebevollen und sinnstiftenden Umgang mit sich selbst wichtig. Die Einführung eines "Steuer-Ich". Einem „Ich“, das gestärkt mit Überblick und Würdigung aller „Seiten“ eine stimmige Entscheidung oder Ansage macht. Viele von uns haben ihr sog. „Steuer-Ich“ bisher noch nicht aktiviert und lassen sich deshalb von ihren inneren Stimmen die Bude vollquatschen, wie es Gunther Schmidt liebevoll sagt. Sie assoziieren sich mit dieser oder jene "Seite" in sich vollständig und sagen z. B. ich bin so wütend. Dabei ist nur eine "Seite", also ein Anteil von ihnen wütend, eine anderere "Seite" möglicherweise gerade verstört und ängstlich. Diese Methode hilft sich von der „Seite“, mit der man sich bisher verwechselt hat, zu dissoziieren und sich stattdessen mit dem „Steuer-Ich“ zu assoziieren. Dies schützt vor Vermeidung, Zerstreuung, Abwertung, Überforderung und vielen weiteren Folgen.

Zurück zu meinem Beispiel: Als sich die Stimme des „inneren Kritikers“ in mir meldete, war ich nicht mit meinem „Steuer-Ich" assoziert, sondern völlig mit der "Seite" des inneren Kritikers in mir. Ich habe mir wirklich die Bude vollquatschen lassen. Interessanter Weise fielen diesem inneren Kritiker viele Situationen ein, an denen es mir so auch schon mal ergangen ist.

Nach dem ich der „Seite“, die sich mit einer mir zugewandten Person austauschen wollte, nachgegangen war, ging es mir schon viel besser. Das gemeinsame reflektieren der Situation, als auch ihre Sicht auf mich und die Situation, hatten mich fürs Erste stabilisiert.

Doch eine weitere „Seite" fühlte sich scheinbar noch nicht gesehen, so braucht es auch nochmal den Blick zurück in die Kindheit, wo kommt es her und was hätte die bedürftige „Seite“ in mir schon damals gebraucht? Die Antwort war „Schutz“. Auch diese Erkenntnis half mir und ließ mich ein Stück des Weges weitergehen.

Ausgelöst durch eine andere Situation meldet sich dann noch eine weitere „Seite“ in mir, die sonst wenig Raum einnimmt. Die „Seite“ war wütend und ärgerlich, sie wollte einfach mal Dampf ablassen. Hinter all dem Ärger steckte Traurigkeit verbunden mit der Frage: „Interessiert es eigentlich irgendjemanden, wie es mir damit geht?“. Auch dieses Bedürfnis kam mir bekannt vor, doch muss ich es im Laufe meines Lebens tief in mir vergraben haben. Tja, nun hatte sich all dies nach oben gearbeitet und an „wegmachen“ war nicht zu denken.

Einige Tage ging ich mit all dem in mir „schwanger“, tauschte mich dazu mit unterschiedlichen Personen aus und erkannte auf dem Weg, Wahrhaftigkeit drückt sich darin aus, die geschliffene als auch die ungeschliffen Seite des Diamanten zu kennen und den Mut haben auch diese zu zeigen.

Auch wenn es anfänglich weh tat, durch diese Rückmeldung an einen alten oder gleich mehrere ältere schmerzhafte Stellen geführt worden zu sein, inzwischen bin ich sehr dankbar, denn ohne jene Konfrontation wäre dieser Prozess nicht Gang gekommen.

„Lets beginn with me.“ (Byron Katie)

Nach dieser Erfahrung bestätigt sich für mich erneut ein Weg, den ich schon viele Jahre, mal besser mal schlechter, praktiziere:

  • Gefühle fühlen: die schmerzlichen Gefühle spüren und auf KEINEN Fall wegmachen
  • Selbstreflexion: Im Gespräch mit sich selbst oder mit einer vertrauensvollen und kompetenten Person
  • Bedürfnis erforschen: Welches Bedürfnis will sich dadurch ausdrücken und wie könnte ich dies achtungsvoll und wertschätzt würdigen?
  • In den Ausdruck kommen: Wie könnte ich mir dieses Bedürfnis auf konstruktive Weise erfüllen, welche Ausdrucksform würde sich für mich (Steuer-Ich) stimmig anfühlen?
  • Nachspüren: Was braucht es noch?

Falls du bisher auch dazu tendiert hast, die schmerzlichen Gefühle in dir wegmachen zu wollen, ob durch Kampf oder Missachtung, dann ist es wahrscheinlich, dass auch du in deiner Kindheit einige der folgenden Sätze gehört hast: „Du brauchst doch keine Angst haben“; „Ist doch nicht schlimm, ist doch gar nichts passiert.“; „Stell dich nicht so an.“; „Jetzt reiß dich mal zusammen.“; „Geh in dein Zimmer! Du kannst wiederkommen, wenn du dich beruhigt hast.“. Aus Loyalität zu den Eltern verinnerlichen Kinder solche Sätze und sprechen in gleicher Weise (in Form von unterschiedlichen „Seiten“ in sich) zu sich selbst. Leider hat kaum einer von uns gelernt wie Wut, Ärger und Angst auf gesunde und kraftvolle Weise ausgedrückt werden können, ohne dabei selbst Schaden zu nehmen oder andere zu verletzten.

Was sagen deine „Seiten“ typischer Weise zu dir?
Und wie reagierst du darauf?

Neben der unangenehmen Verstimmungen, die solch unbeachteten Gefühle in uns hinterlassen, bleibt dabei auch das Bedürfnis, welches das Gefühl eigentlich ausdrücken wollte, unberücksichtigt. Schlimmer noch, es sucht sich einen anderen Weg. Dieser mündet nicht selten in einem Suchtverhalten (Screen-Junkie, Essstörung, Drogenkonsum usw.), welches uns von diesem so schmerzhaften Gefühl ablenken möchte. Oberflächlich mag das klappen, doch die inneren Blockaden und das wahrhaftige Bedürfnis dahinter lösen sich damit nicht auf. Auch der Versuch sich selbst oder sein Umfeld abzuwerten ist nicht zielführend.

Wie sähe unsere Welt aus, wenn wir alle liebevoller mit uns selbst umgehen würden?

Wenn du dich angesprochen fühlst und Lust hast den Umgang mit dir selbst zu verändern, dann folge dieser Anleitung:

  • Nehme dir ein großes Blatt Papier und notiere dir all die Stimmen, die sich bei dir an einem sog. „schlechten Tag“ oder weniger guten Tag melden. Vielleicht hast du den Eindruck, du kannst diese nicht auf Knopfdruck abrufen, verständlich. Nach meiner Erfahrung braucht es nur wenige Tage, bis uns genug Situationen ereilen, die all die Stimmen in uns zu Wort kommen lassen. Du kannst dir diese auch im Laufe des Tages in deinem Handy oder einem Notizbuch notieren und später auf einem großen Blatt zusammentragen.
  • Ich habe gute Erfahrung damit gemacht, jeder dieser „Seiten“ in mir einen Namen zu geben. Nimm einen Namen, der nicht schon durch dein Umfeld belegt ist, bei mir heißen sie z. B. Otto, Susi oder Paul.
  • Ergänze auch jene innere „Seiten“ (mit Namen) in dir, die dich stärken und unterstützen. Dies sind deine Kompetenzen und gehören unbedingt zum Gesamtbild dazu.
  • Frage nun jede „Seite“ welches Bedürfnis sie versucht auf ihre möglicherweise „behelfsmäßige“ Weise auszudrücken. Du kannst das Bedürfnis als Nachname ergänzen, z. B. Otto Sicherheit oder Susi Wertschätzung (ein Überblick über Bedürfnisse im Sinne der Gewaltfreien Kommunikation findest du hier).
  • Vielleicht magst du dein inneres Parlament noch weiter ausgestalten und zu jeder „Seite“ eine Figur oder Farbe ergänzen. Mach dir unbedingt auch die Körperhaltung bewusst machen, welche du einnimmst, wenn du dich mal wieder mit dieser „Seite“ verwechselst. All dies hilft, mit Leichtigkeit und Humor auf sich selbst zu blicken und sich von den einzelnen "Seiten" zu dissoziieren.
  • Nun schließe die Augen und platziere vor deinem inneren Auge all diese „Seiten“: Wer steht vor dir, neben dir recht oder links, wer hinter dir, wie ist der Abstand, wohin schaut die jeweilige „Seite“?
  • Stehen alle auf ihrem richtigen Platz? Modelliere dein inneres Bild so lange, bist du (Steuer-Ich) gestärkt und mit Überblick auf die „Seiten“ in dir schauen kannst. Die kritische und selbstabwertende „Seite“ vielleicht etwas auf Abstand, die bedürftige Seite geschützt und geborgen nah bei dir und deine vielfältigen Kompetenzen stärkend und unterstützend gut im Blick. Folge deiner Intution: Was ist die für dich stimmige Choreografie?
  • Das „Steuer-Ich“ ist, wie ein guter Chef, in der Lage alle Stimme zu hören, das Gesagte in eine Bedürfnissprache zu übersetzen und dennoch im Sinne eines höheren Ziels (siehe dazu die Artikel „Wofür stehen Sie auf?“ und „Dein Nordstern“) eine stimmige Entscheidung zu treffen oder wenn nötig, eine Ansage zu machen. Um das „Steuer—Ich“ in dir zu aktivieren, ist es besonders wirkungsvoll dieses mit einer geraden, aufrechten und gestärkten Körperhaltung zu verbinden und mit einem Geräusch zu bekräftigen. Das mag dich irritieren, doch die Wechselwirkung zwischen Körper und Bewusstsein (Embodiment) wurde durch viele Studien bestätigt und zeigt, dass unser Körper unsere Gefühle steuert und nicht umgekehrt. Wäre doch clever dies für sich zu nutzen!
  • Im letzten Schritt dieses Prozesses gilt es darum diese Erfahrung bestmöglich in dir zu verankern. Dafür sind zwei Aspekte besonders hilfreich. 1. Visualisierung: Übertrage das nun stimmige innere Bild auf ein neues Blatt Papier. 2. Körper-Anker: Nehme abschließend noch mal ganz bewusst eine Körperhaltung ein, die direkt mit deinem "Steuer-Ich" verknüpft ist. Dies könnte z. B. so aussehen: Geschützt und mit Überblick, einem gutem Stand und einer geraden und aufrechten Körperhaltung.
    Nun bist du gut vorbereitet, für ein stabile und zugleich flexible Verbindung mit deinem „Steuer-Ich“.

„Die meisten glauben, dass es richtige Entscheidungen gibt, die liegen herum wie Ostereier und ich muss sie nur finden. Die Wirklichkeit sieht anders aus. Unser Leben ist ein hochkomplexes, dynamisches System.“ (Dr. Maja Storch)

Diese Herangehensweise ist sehr wirkungsvoll und ein Stück Arbeit. Doch der Gewinn ist Steuerungsfähigkeit, Selbstwirksamkeit und Handlungsfähigkeit, und davon können wir in diesen Zeiten nicht genug haben.

Ich wünsche dir viel Freude beim Ausprobieren und freue mich über eine Rückmeldung, wie es dir damit ergeht.

Du zögerst noch oder bist unsicher, ob du dich alleine auf diesen Weg machen möchtest, dann rufe mich an oder schreibe mir eine E-Mail. Ich freue mich darauf mit dir ins Gespräch zu kommen, telefonisch unter: 0151 / 46525418 und per E-Mail unter info@elkendorf-coaching.de, und dich ein Stück des Weges zu begleiten.

Mit herzlichen Grüßen
Vera Elkendorf

Dein Coach für mehr Lebensfreude

Veröffentlicht: 3. April 2021