Zitat
unbekannt

"Wir wissen nicht, was andere Menschen denken oder fühlen. Wir interpretieren ihr Verhalten und sind dann wegen unserer eigenen Gedanken gekränkt oder wütend."

Erfahrungsschatz

Wie Sie durch mehr Bewusstsein zu mehr Lebensfreude und Wachstum gelangen.

„Wir wissen nicht, was andere Menschen denken oder fühlen. Wir interpretieren ihr Verhalten und sind dann wegen unserer eigenen Gedanken gekränkt oder wütend.“ (unbekannt)

Können Sie sich in diesem Zitat wiederfinden? 

Ich fühlte mich fast ein bisschen ertappt, als ich das Zitat das erste Mal las. Wie ergeht es Ihnen damit? Halten wir uns nicht alle für mehr oder weniger weltoffen? Doch sind wir wirklich offen? Sind wir bereit, auf eine Situation mit den Augen unseres Gegenübers zu blicken?

Mit diesem Artikel möchte ich Sie einladen, den Blick von sich zum Anderen hinzuwenden und zugleich mit sich selbst in Kontakt zu bleiben. Wie dieser Balanceakt gelingen kann, möchte ich Ihnen hier darstellen.

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„Wir wissen nicht, was andere Menschen denken oder fühlen. Wir interpretieren ihr Verhalten und sind dann wegen unserer eigenen Gedanken gekränkt oder wütend.“ (unbekannt)

Wieso interpretieren wir das Verhalten unserer Mitmenschen überhaupt? Wäre es nicht klüger zu fragen, was sie oder er denkt oder fühlt, anstatt davon auszugehen wir könnten ihr Verhalten richtig einschätzen? Es würde in jedem Fall zu weniger Missverständnissen führen. Doch unser Gehirn hat sich einen effizienteren Weg überlegt, es adaptiert. Das heißt, bekannte Verhaltensweisen werden vom Gehirn nicht neu bewertet, sondern mit der Initial-Erfahrung, die wir in den ersten Lebensjahren gesammelt haben, verknüpft. Dadurch erleben wir die damit verbundenen emotionalen und körperlichen Empfindungen erneut. Unser Gehirn nutzt die Möglichkeit der Adaption auch bei vielen anderen Vorgängen, eigentlich ununterbrochen - jedoch immer unterbewusst. Besonders deutlich wurde mir dies, in Bezug auf meine Angst vor Gruppen zu sprechen. Die dazugehörige Initial-Erfahrung machte ich in der Schule. Meine Lehrerin bat mich nach vorne an die Tafel, um ein Wort anzuschreiben. Während ich das Wort an die Tafel schrieb, hörte ich meine Mitschülerinnen und Mitschülerin tuschelten und dann über mich lachen, weil ich das Wort falsch geschrieben hatte. Ihr Lachen wurde noch stärker als sie bemerkten, dass ich vor Scham rot anlief. Viele, viele Jahre lang wurde ich rot, wenn ich vor einer Gruppe sprach. Und es vergingen nochmal viele Jahre, bis ich wieder voller Selbstbewusstsein und mit Freude vor eine Gruppe treten konnte. 

Wie ist mir dies gelungen? Ich machte mir unter anderem klar, dass wenn ich heute vor einer Gruppe stehe, z. B. um ein bestimmtes Thema zu präsentieren - ich die Expertin für das Thema bin. Anders als damals in der Schule, denn für Rechtschreibung war ich keine Expertin (bin ich auch heute noch nicht, doch damit habe ich ebenfalls Frieden geschlossen). Mit dieser Erkenntnis konnte ich die alte Erfahrung von jenen Situationen entkoppeln, vor denen ich heute stehe. Darüber hinaus lud ich mich ein, eine neue Erfahrung zu machen und mich der Angst, erneut rot anzulaufen, zu stellen. Und auch wenn die Erinnerung an diese Ur-Erfahrung in der Schule bleibt, sie ist verblasst, hat weniger Gewicht und es kamen viele positive und stärkende Erfahrungen hinzu.

Jeder Mensch der uns begegnet ist entweder dein Freund oder dein Trainingspartner. (unbekannt)

Gleiches gilt auch für Erfahrungen, die wir im direkten Kontakt mit anderen Menschen gemacht haben. Insbesondere, wenn der Blick, der Satz oder die Geste einer Ihrer Mitmenschen in Ihnen Unbehagen auslöst, lohnt es sich Ihrer Interpretation auf die Schliche zu kommen. Es könnte doch sein, dass der Blick Ihrer Chefin oder Ihres Chef etwas ganz anderes zu bedeuten hat, als Sie vermuten. Auch wenn Ihr Unterbewusstsein Ihnen dies durch ähnliche körperliche Empfindungen zu bestätigen versucht.

Was ich von einem anderen Menschen denke, handelt mehr von mir als von diesem anderen. (Kay Pollak aus seinem Buch „Durch Begegnungen wachsen“

Auf eine weitere Möglichkeit zur Entkopplung solcher Initial-Erfahrungen, bin ich im Buch „Wenn es verletzt ist es keine Liebe - Die Gesetzmäßigkeiten erfüllter Partnerschaft“ von Chuck Spezzano  gestoßen. Er lädt uns zu einem anspruchsvollen Perspektivwechsel ein: „Wenn du ein bestimmtes Bedürfnis hast, dann kannst du dich sehr leicht von diesem Bedürfnis befreien, indem du Vergebung erweist. Dein Verzeihen nimmt dir das Urteil, das du über andere abgibst, und auch deine Schuldgefühle weg. Ohne Schuldgefühle kannst du nun vorangehen, und im Vorangehen wird dein Bedürfnis befriedigt. Dein Verzeihen bedeutet weiteres Geben. Jeder Akt des Gebens gibt auch dir und erfüllt deine Bedürfnisse. … Wenn du wirklich umfassend vergeben hast, wirst du zu innerem Frieden zurückfinden und deine eigene Ganzheit spüren.“ 

Lesen Sie den Absatz gerne nochmal!

„Wenn du ein bestimmtes Bedürfnis hast, dann kannst du dich sehr leicht von diesem Bedürfnis befreien, indem du Vergebung erweist. Dein Verzeihen nimmt dir das Urteil, das du über andere abgibst, und auch deine Schuldgefühle weg. Ohne Schuldgefühle kannst du nun vorangehen, und im Vorangehen wird dein Bedürfnis befriedigt. Dein Verzeihen bedeutet weiteres Geben. Jeder Akt des Gebens gibt auch dir und erfüllt deine Bedürfnisse. … Wenn du wirklich umfassend vergeben hast, wirst du zu innerem Frieden zurückfinden und deine eigene Ganzheit spüren.“ 

Vielleicht denken Sie jetzt, hähhh, was hat das mit dem Thema „Entkopplung von Initial-Erfahrungen“ zu tun. Ich musste diesen Text auch einige Male lesen, um ihn intellektuell zu verstehen. Mein Herz hatte die Wahrheit darin jedoch sofort vernommen. Ich wurde innerlich ruhiger, leichter und friedlicher. Doch bevor Sie verzweifeln, folgen Sie mir erstmal weiter zu der Anleitung, die Chuck Spezzano ebenfalls bereitstellt: „Zähle drei wesentliche Bedürfnisse auf, die dein Leben zur Zeit bestimmen. Stelle dir selbst die Frage: „Wer ist es, dem ich nicht verziehen habe?“ Was auch immer notwendig ist, um Verzeihung zu gewähren, tue es, damit deine Bedürfnisse erfüllt werden und du inneren Frieden erlangen kannst. Denke daran, dass Vergebungsbereitschaft eine der vornehmsten Aufgaben der Höheren Kraft ist; lass also zu dass sich deine Vergebungsbereitschaft ungehindert entfalten kann, indem du sie deiner Höheren Kraft übergibst.“

Es mag für unseren Verstand paradox klingen, dass sich ein nicht erfülltes Bedürfnis dadurch erfüllen soll, dass wir einer Person verzeihen. Doch wenn Sie sich auf den Prozess einlassen, werden Sie es erleben können. Ich habe diese Übung schon für ein paar meiner Kern-Bedürfnisse gemacht. Ich möchte Sie an meinem für mich sehr intensiven inneren Prozess teilhaben lassen. Es war vor gut 10 Jahren, als ich das Buch das erste Mal in den Händen hielt. Ich war damals in einer schwierigen Beziehung, man könnte sagen Beziehungsstatus „ungeklärt“, als ich zufällig die Seite 265 aufblätterte und die Überschrift „234. Vergib, wenn du ein Bedürfnis erfüllt haben möchtest“ las. Darunter stand der oben erwähnte Text. Ich lass Ihn einige Male und ging über zur Anleitung und fragte mich: 

„Welches Bedürfnis ist gerade nicht erfüllt?“

Es ging um fehlende Verbindung, Klarheit und Verbindlichkeit. 

Also fragte ich mich weiter: 

„Wer ist es, dem ich nicht verziehen habe?“

Es fiel mir sofort eine Situation mit meinem Vater ein. Es kam manchmal vor, dass er zwar räumlich anwesend doch emotional abwesend war. Die Erinnerung an diese Situationen brachte mich sofort wieder mit der Angst in Berührung, von meinem Vater nicht geliebt zu sein, nicht gut genug zu sein oder es nicht richtig gemacht zu haben. Ich erinnerte mich daran wie oft ich mich als Kind fragte, was ich falsch gemacht hatte, wenn er sich abweisend verhielt. Ich verweilte für einen Moment in dieser Erinnerung und den damit verbundenen Gefühlen. Ich nahm mich gedanklich in den Arm und spürte wie sich augenblicklich mein Blick auf meinen Vater verwandelte. Ich konnte seine Überforderung und Hilflosigkeit sehen und ganz viel Liebe. Mein inneres Bild, welches zuvor grau war, färbte sich bunt. Mit den bunten Farben stellten sich Geborgenheit und Liebe ein. Ich konnte die Verbindung zu ihm auf einmal wieder spüren, obwohl er sich in seine innere Welt zurückgezogen hatte.

Über diesen inneren Prozess gelang es mir meinem Vater zu vergeben und mir selbst zu verzeihen - wir hatten es beide so gut gemacht, wie wir konnten. Solange das Kind in mir aber das Verhalten meines Vaters als Zeichen mangelnder Liebe wertete, war meine Sicht eingeschränkt. Es war mir unmöglich etwas anderes zu sehen. Nun hatte sich mein Blick geweitet, anstatt Ablehnung sah ich bedingungslose Liebe. Welch ein Wandel!

Mit diesem Wandel war ich in der Lage das Verhalten meines damaligen Partners bei ihm zu belassen. Was auch immer ihn bewegte so zu handeln, es war Ausdruck seiner Sicht auf die Welt. Ich hatte selbst in der Hand, wie sehr ich mir sein Verhalten zu Herzen nahm - meine Interpretation war der Stellhebel.

Es sind nicht die Dinge, die uns beunruhigen, sondern die Meinungen, die wir von den Dingen haben. (Epiktet)

Welches Ihrer Bedürfnisse ist gerade nicht erfüllt? 

Wem haben Sie nicht verziehen?

Ich hoffe meine persönlichen Geschichten haben Sie neugierig gemacht, bei sich selbst auch genauer hinzuschauen. Wenn Sie möchten begleiten ich Sie gerne einen Stück des Weges - Ihrem Weg zu mehr Lebensfreude, Leichtigkeit und Entspannung. 


Mit herzlichen Grüßen
Ihre Vera Elkendorf

Ihr Coach für mehr Lebensfreude


Veröffentlicht am 17.02.2019